
Zufällige Bekanntschaft mit dem Parents Circle: Wie alles begann
Als ich, Heinz-D. Haun, im Jahr 2016 anlässlich einer Begegnungsreise in Beit Jala weilte, steckte mir jemand einen Prospekt zu und sagte: „Das war eine total spannende Ausstellung.“ Es war der Prospekt zu einer Ausstellung daheim im Willy Brandt-Haus in Berlin, die dort einige Monate zuvor gelaufen war. Titel: „Die Gegenwart der Abwesenheit“.
In der Tat, der Prospekt ließ erkennen: Das muss eine spannende Ausstellung gewesen sein! Es war dies eine Dokumentation des Parents Circle – sie dokumentierte, wie israelische und palästinensische Hinterbliebene von Opfern des nahöstlichen Dauerkonflikts sich mit dem Verlust eines nahen Angehörigen auseinandersetzen und Wege der gemeinsamen Trauerarbeit unternehmen. Gesine Schwan und Sigmar Gabriel hatten die Ausstellung damals prominent unterstützt.
Pioniere aus Beit Jala
In dem Prospekt fand ich auch die Kontaktadresse des Parents Circle auf palästinensischer Seite – und siehe da: Das Büro befindet sich gerade zwei-, dreihundert Meter von unserem Gästehaus, der Abrahams Herberge in Beit Jala, entfernt. Ich nahm sogleich Kontakt zu der Organisation auf, und zwei Jahre später saßen eines Abends zwei sympathische Herren während einer weiteren Begegnungsreise in einem Clubraum der Herberge und erzählten uns ihre Lebensgeschichten. Es waren Rami Elhanan (Foto, l.) und Bassam Aramin, zwei inzwischen in aller Welt bekannte, engagierte Vertreter des Parents Circle. Elhanan stellte zunächst sich, dann Aramin vor: „This man is my enemy…“, dann grinste er und sagte: “… he’s my best friend!”
Rami und Bassam leben auf unterschiedlichen Seiten der Mauer, die sich durch das sog. Heilige Land zieht. Und doch eint sie die Trauer.
Der Israeli Rami Elhanan und der Palästinenser Bassam Aramin haben jeder eine Tochter im Nahost-Konflikt verloren. Ramis Tochter wurde 1997 im Alter von dreizehn Jahren von einem palästinensischen Selbstmordbomber vor einem Jerusalemer Buchladen getötet. Bassams Tochter starb 2007 zehnjährig mit einer Zuckerkette in ihrer Tasche vor ihrer Schule durch die Kugel eines israelischen Grenzpolizisten. Der Schmerz über den Verlust ihrer Töchter bringt die beiden Männer zusammen in gemeinsame Trauer: „Wir begegneten uns als Feinde, die miteinander reden wollten.“
Das bewegende Schicksal in Buchform
Der irische Autor Colum McCann hat über die beiden Männer einen bewegenden Roman geschrieben, über den Tod ihrer Töchter und über ihr ungewöhnliches Miteinander. Dieses Buch wurde zu einem flammenden Aufruf zur Aussöhnung im Nahen Osten. Es trägt den Titel „Apeirogon“. Der Titel deutet darauf hin, dass man es hier mit einem Phänomen zu tun hat, das nahezu unzählig viele Seiten und Aspekte zeigt.
Claudia Timpner, Intendantin des THEAS-Theaters, und ich lesen Auszüge aus dem Buch. Der Musiker Matthias Kurth spielt Kompositionen und Improvisationen auf der arabischen Laute.
Die Veranstaltung ist ein Gemeinschaftsprojekt des Städtepartnerschaftsverein Bergisch Gladbach-Beit Jala mit dem THEAS-Theater und dem Katholischen Bildungswerk Rhein-Berg und Bestandteil des Kulturprogramms zum 15jährigen Bestehen des Partnerschaftsvereins.
APEIROGON – Lesung aus dem Buch von Colum McCann
Sonntag, 1. März 2026, 18 Uhr
THEAS-Theater, Jakobstraße 103, 51465 Bergisch Gladbach
Eintritt frei, Spenden erwünscht. Anmeldung bitte unter info@gl-beitjala.net
Wir freuen uns, Euch wiederzusehen!
