Gründung des Axel-und-Sabine-Becker-Friedenspreises: Ein Wanderpokal für tatkräftige Völkerverständigung

Bei einer Taufe geht‘s meist gesellig zu. So auch bei der Matinee, zu der der Städtepartnerschaftsverein Bergisch Gladbach-Beit Jala und die Stadt am vergangenen Sonntag ins Rathaus eingeladen hatten. Anlass war der Axel-und-Sabine-Becker-Friedenspreis, der in einer Feierstunde im großen Ratsaal aus der Taufe gehoben wurde und dem 15-jährigen Jubiläum der Partnerschaft ein Glanzlicht aufsetzte.

Brücke und Olivenbaum

Als Täufling fungierte die 25 mal fünf Zentimeter große Preisskulptur, eine stilisierte Brücke mit Olivenbaum auf einem mattschimmernden Olivenholzblock. Rund 70 „Patinnen“ und „Paten“ waren zur Enthüllung gekommen – Mitbegründer, Wegbegleiter, Familie, Freunde und natürlich die Namensgeber, Axel und Sabine Becker.

Die stv. Bürgermeisterin Brigitta Opiela umriss in ihrer Grußbotschaft den Kern der Auszeichnung: „Mit der Initialisierung des Axel- und Sabine-Becker-Friedenspreises entsteht eine bedeutsame Tradition: Der Preis wird künftig als Wanderpokal an außerordentliche Persönlichkeiten weitergegeben, die sich im Geiste der Beckers um Friedensstiftung und Verständigung zwischen Menschen verdient gemacht haben.“ Die Politikerin weiß, wovon sie spricht: Bei mehrfachen Reisen konnte sie sich von der Situation im „Heiligen Land“ ein Bild machen.

Frieden beginnt im Kleinen

Für den Vereinsvorsitzenden Stephan Dekker machte die aktuelle Preisstiftung sichtbar, worum es von Anfang an gegangen sei: „Um den festen Glauben daran, dass Begegnung stärker ist als Abgrenzung, dass Zuhören wichtiger ist als vorschnelles Urteilen – und dass Frieden im Kleinen beginnt, zwischen Menschen.“

Ein Anspruch, den der Verein immer schon durch konkrete Taten untermauerte. Zum Beispiel durch Bürgerreisen nach Beit Jala, sportliche Begegnungen von Menschen aus Palästina und Israel hier an der Strunde oder die Teilnahme von Jugendlichen am Peace Festival in der Partnerstadt. „Immer war es Axel, der das Anliegen mit Beit Jala weiterschob, ein begnadeter Netzwerker“, würdigte Laudator Jörg Bärschneider die beiden Pioniere. „Axel der Antreiber nach außen mit ständig neuen Ideen und einem klaren Ziel. Sabine nach innen, zugewandt, gedankenreich, mit leisem Humor, mit dem sie das Vereinsgeschehen unnachahmlich kommentierte.“

Wechselvolles Leben mit klarem Wegweiser

Jörgs Rückblick machte den überaus wechselvollen Lebensweg der beiden deutlich: düstere Kriegseindrücke und Fluchterfahrung in jungen Jahren, Pfarrdienst und engagierte Sozialarbeit in Chile zur Zeit des Sturzes der Allende-Regierung, Axel als Pfarrer in Köln und Bergisch Gladbach und Sabine im Lehrerberuf an der IGP, dann schließlich der erste Besuch beider in Beit Jala Anfang der 2000er-Jahre. „So wechselvoll eure Biografie ist: Der Einsatz für Menschenrechte, für persönliche Begegnungen und einen weiten Horizont ging Eurem tatkräftigen Leben immer als Wegweiser voraus.“

Ein Preis für Hoffnung und Ermutigung

Namensgeber Axel unterstrich, dass sich dieser Preis im Tun bewähren müsse. Er sei dafür bestimmt. „als Zeichen der Hoffnung andere, nicht nur künftige Preisträgerinnen und Preisträger zu ermutigen, immer wieder auch kleine Schritte zur Verständigung und des Brückenbaus zu unternehmen.“ Er dankte den Gästen, den Mitstreitern und ausdrücklich dem Musiker Holger Faust-Peters.

Weiter Bogen persönlich gewidmeter Musikstücke

Holger verlieh der Matinee mit seinem eindrucksvollen Cellospiel eine ganz besondere Note. Er und Axel sind sich nicht nur durch die Vorliebe für das Streichinstrument verbunden, der Musiker war auch bereits zweimal in Beit Jala. Eine ferne Reise, die er auch im weiten Bogen persönlich gewidmeter Musikstücke erklingen ließ: durch die 2. Cellosuite von Johann Sebastian Bach, die durch Mercedes Sosa berühmt gewordene Friedens- und Freiheitshymne für Lateinamerika, zwei Lieder vom Friedenszug des „March of Hope“ und schließlich mit der heiteren Überleitung „Just Doodling“ zum ungezwungenen Gedankenaustausch der Gäste.

Geht ein Friedenspreis auf Reisen …

Mit dem neuen Preis geht nun die bundesweit erste Auszeichnung für bürgerschaftliches Engagement im Rahmen einer Städtepartnerschaft auf Reisen. Sie ist mit 1.000 Euro aus der Vereinskasse dotiert. Erster Preisträger ist Daoud Nassar vom internationalen Friedensprojekt „Zelt der Nationen“ (Tent of Nations) in Bethlehem. Die Preisverleihung ist für den 18. Mai im Laurentiushaus des Katholischen Bildungswerks vorgesehen.

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