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Städtepartnerschaft Bergisch Gladbach - Beit Jala e.V.
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Newsletter 10/2026
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*** 15 Jahre Städtepartnerschaft GL-Beit Jala 2026 ***
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Dr. Annelise Butterweck: Zum Gedenken an eine Pionierin unserer Städtepartnerschaft
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Frieden fängt mit Begegnung an
Ein Jubiläum ist ein Anker im Zeitenstrom – Anlaß für Rückschau, Standortbestimmung und Blick in die Zukunft. Menschen sind es, die diesem Innehalten einen Fixpunkt geben. Sie alle haben unsere Städtepartnerschaft, die vor 15 Jahren gegründet wurde, lebendig gemacht und geprägt. Eine dieser Persönlichkeiten, um die unsere Gedanken kreisen, ist Dr. Annelise Butterweck (18. 9. 1928 - 22. 9. 2015).
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Unermüdliche Grenzgängerin Annelise war von Anfang an treibende Kraft, als mit dem „Freundeskreis Bürger für Beit Jala“ erste Bande von Bergisch Gladbach nach Beit Jala geknüpft wurden (2003), die in der Vereinsgründung und Partnerschaft (2011) beider Kommunen gipfelten. Aber ihr Wirken reichte stets weiter: Sie pendelte zwischen Bergisch Gladbach, Israel und Palästina, warb unermüdlich für den Friedensprozess zwischen den beiden Nahost-Völkern und schuf ein riesiges Netzwerk von Weggefährten über Grenzen hinweg. Oft ging ihr ein unverwechselbares Accessoire voran – ein gehäkelter Wollhut in Regenbogenfarben.
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Foto mit Annelise vor einem Graffito in Jerusalem an der Via Dolorosa, das in der Ausstellung „Zeichen zeigen in Palästina und Israel“ (2013) im Frauenmuseum Bonn gezeigt wurde. Die Fotografien und Installationen wurden von Thesa Gamma Terheyden erstellt, die Texte von Annelise
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Hohe Ehrung der Stadt Bergisch Gladbach Annelise wurde 1928 als Älteste von vier Kindern in ein protestantisches Pfarrhaus in Schmidthachenbach/Kirn geboren. Sie erlebte früh den Widerstand ihrer Eltern gegen die NS-Diktatur, ihr Vater wurde vorübergehend inhaftiert. Annelise studierte an den Universitäten Köln und Tübingen Religion, Latein und Germanistik. Eine tiefe Überzeugung prägte ihr Leben: Verständigung beginnt dort, wo sich Menschen persönlich begegnen. Und sie hat zeitlebens tatkräftig daran gearbeitet, das möglich zu machen. 2010 erhielt sie die Goldene Ehrennadel der Stadt Bergisch Gladbach für ihre vielfältigen Verdienste. Vor elf Jahren, am 22. September 2015, starb sie im Alter von 87 Jahren.
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Eine Reise nach Israel veränderte alles Das Jahr 1967 brachte den Wendepunkt. Annelise ließ sich für ein Jahr von ihrer Tätigkeit als Lehrerin beurlauben, reiste nach Israel und studierte dort Hebräisch und Judaistik. Diese Erfahrung veränderten ihr Leben. Nach ihrer Rückkehr wechselte sie 1968 an das Otto-Hahn-Gymnasium in Bergisch Gladbach, promovierte in Theologie und studierte Judaistik am Martin Buber Institut in Köln. Von da an wurde der Einsatz für die Verständigung zwischen Israelis und Palästinensern zu Annelises Lebensaufgabe.
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Nicht wegsehen, sondern handeln Bei ihren fast jährlichen Reisen nach Israel erlebte Annelise den zerstörerischen Hass beider Völker aufeinander. Gleichzeitig begegnete sie Menschen, die sich mit großer Kraft für Frieden und Wiederaufbau einsetzten.
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In Bergisch Gladbach organisierte sie Vorträge, Gesprächskreise und Hilfsprojekte. Sie gründete den israelisch-palästinensischen Freundeskreis und baute über die Jahre weitreichende Kontakte zu jüdischen und arabischen Mitstreiterinnen und Mitstreitern auf. In dem von ihr gegründeten Nahost-Friedenskreis Bensberg (1982) kamen Israelis, Palästinenser und Deutsche regelmäßig zusammen.
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Dr. Annelise Butterweck, Foto von 2011
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Netzwerken und helfen 15 Jahre lang gehörte Annelise der Kölner Friedensorganisation „Frauen in Schwarz“ an, sie engagierte sich ca. 25 Jahre im Stadtverband für Entwicklungszusammenarbeit, der sich später „Stadtverband Eine Welt e.V.“ nannte, und bei Amnesty International. Gemeinsam mit der evangelischen Kirchengemeinde Bensberg und dem „Eine-Welt-Kreis Bensberg“ baute sie eine Partnerschaft mit den „Rabbinern für Menschenrechte“ in Jerusalem auf. Daraus entwickelte sich ein Hilfsprojekt für den entrechteten Beduinenstamm der Jahalin. Annelise spendete für das Projekt einen Wohncontainer, mit dem Frauen und Kinder in der Bildung unterstützt wurden. Bei ihren Reisen ins Westjordanland überzeugte sie sich von der brutalen Besatzungsrealität, von Siedlergewalt, Vertreibung und Zerstörung palästinensischen Eigentums. 2008 zeichnete sie die palästinensische Nationalbehörde für ihr humanitäres Engagement aus.
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Unterrichtsstoff: Völkerverständigung Bis 1991 unterrichtete Annelise am Otto-Hahn-Gymnasium. Dort vermittelte sie nicht nur Unterrichtsstoff, sondern wollte bei jungen Menschen das Verständnis für Frieden und Völkerverständigung wecken. Ihr besonderer Verdienst war die Einführung des Hebräischunterrichts an dieser Schule.
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Beit Jala – eine ganz besondere Begegnung Besonders am Herzen lag ihr die Verbindung von Bergisch Gladbach und Beit Jala. Entstehung und erste Jahre dieser Städtepartnerschaft sind daher ohne ihre entschlossene Mitarbeit kaum vorstellbar. Zeitgleich stattete sie der palästinensischen Partnerstadt mehrere Besuche ab, besuchte das Flüchtlingslager Deheishe und baute Kontakte zu den Einheimischen auf. Dabei machte Annelise in der Abrahams Herberge die Bekanntschaft mit dem jungen Mohammed Fararje. Er lud sie in sein Zuhause im Deheishe-Camp ein, wo sie die ganze Familie kennenlernte. Der alte Vater zeigte ihr einen großen Schlüssel, der vom Haus der Familie in Zakhariyya stammte. Aus diesem Dorf 30 Kilometer westlich von Jerusalem war die Familie 1948 im Zuge der Nakba vertrieben worden, ehe sie in Deheishe ankam. Israelis hatten es zerstört und dicht daneben die Ortschaft Beit Shemesh gegründet.
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Pflänzchen aus der Heimat Axel Becker, Gründer und Ehrenvorsitzender der Städtepartnerschaft Bergisch Gladbach-Beit Jala, erinnert sich an eine denkwürdige Unternehmung mit Annelise: „Im Zuge einer unserer Reisen, es muss in den 2000er-Jahren gewesen sein, fuhren Annelise, meine Frau Sabine, ein paar Mitreisende und ich von Beit Jala los, um zu erkunden, was vom einstigen Zakhariyya übrig geblieben war.“ Die wuchernde Natur gab den Besuchern immerhin noch einige Ruinen und Grundmauern preis. In einem dieser abgetragenen Gemäuer glaubte Annelise das vormalige Haus der Familie Fararje wiedererkannt zu haben, zumindest sei es den Beschreibungen des Vaters nahe gekommen, erzählt Axel. „Die Frauen gruben ein paar Pflänzchen mitsamt Wurzeln aus und nahmen sie als Geschenk für den Vater mit nach Deheishe. Natürlich war die Freude riesengroß, der Mann weinte vor Rührung.“
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„Danke, liebe Annelise“ Bei einem frühen Glanzpunkt der Partnerschaft, der Einweihung des Beit-Jala-Platzes in Bergisch Gladbach am 12. September 2015, war Annelise jedoch wegen ihrer Erkrankung nicht dabei. Auch die Begegnungsreise des Partnerschaftsvereins kurz darauf, zu der sie sich in besseren Tagen noch angemeldet hatte, konnte die 87-Jährige nicht mehr antreten. Die Nachricht von ihrem Tod erreichte die Gruppe unter Axels Leitung am 23. September frühmorgens in der Abrahams Herberge in Beit Jala. Axel kommentiert diese Nachricht rückblickend: „Danke, liebe Annelise! Ich bin einer der vielen Menschen, die du inspiriert hast, den Weg des Friedens immer neu zu suchen und nicht aufzugeben.“
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Bis zuletzt waren Annelises Gedanken bei den Menschen in Beit Jala. In ihrer Todesanzeige wünschte sie sich Spenden an den Beit-Jala-Verein.
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Annelises Ruhestätte auf dem Waldfriedhof Rösrath-Kleineichen, im Familiengrab zusammen mit Vater Kurt, Mutter Elisabeth und Schwester Lore. Direkt gegenüber liegt das Grab ihres Bruders Harald und seiner Ehefrau Hannelore
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Weggefährtinnen erinnern sich Es gibt Menschen, deren Leben nicht allein daran gemessen werden kann, was sie erreicht haben. Entscheidend ist vielmehr, was sie bei anderen bewegt haben. Suraya Hoffmann vom Café Palestine in Köln, sowie Brigitte Bonnemann und Thesa Terheyden, beide Mitglieder unseres Vereins, erinnern sich an ihre Begegnungen mit Annelise.
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Weitere Berichte und Notizen von Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern Annelises sind herzlich willkommen – bitte meldet Euch bei uns!
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Fotos: Brigitte Bonnemann, Thesa Terheyden, Jörg Bärschneider
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Quellen: Mündliche Berichte von Weggefährten; Kölner Stadt-Anzeiger, Bürgerportal, Presseamt Stadt Bergisch Gladbach Annelise Butterweck, Unterwegs zu den Menschen. Bericht aus elf und einem Jahr Reisen nach Israel und Palästina, AphorismA Verlag, Berlin 2011, 143 Seiten, 15 €. Mit einem Vorwort von Roni Hammerman Annelise Butterweck, Juha und seine Abenteuer – eine politische Utopie. Gesammelt, nacherzählt und mit einer Nachbemerkung versehen, AphorismA Verlag, Berlin 2014, 38 Seiten, 5 €
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Jörg Bärschneider, Redaktion Für den Vorstand des Städtepartnerschaftsvereins
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