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Städtepartnerschaft
Bergisch Gladbach - Beit Jala e.V.

Newsletter 8/2026

*** 15 Jahre Städtepartnerschaft GL-Beit Jala 2026 ***

Besondere Momente mit Silbernadel:
Bürgermeister Marcel Kreutz freut sich, Hein die Auszeichnung überreichen zu können. In seine Dankesrede bezog Hein seine Frau Ulla Hinrichs ausdrücklich mit ein.

„Fühle mich aus drei schlichten Gründen motiviert“

Interview mit Heinz-D. Haun: Darum erhielt er die Silberne Ehrennadel

Er gründete die Galerie für neuen Wind und das TheaterWeltenErschaffen, wirkt aktiv in der Autorenvereinigung Wort und Kunst, im MusikTheater Rhein Berg, im Theas Theater und tourte mit seinem szenischen Hörspiel zur Lebensgeschichte seiner Eltern durch die Region: Seit mehr als 40 Jahren prägt Heinz-D. Haun das Kulturleben von Bergisch Gladbach mit Dutzenden von Initiativen aller Sparten – „der Hein“ – in diesem Ruf- und Markennamen laufen die unübersehbar vielen und vielfältigen Aktivitäten zusammen. Dafür heftete ihm Bürgermeister Marcel Kreutz anlässlich der BOPP-Verleihung kürzlich die städtische Ehrennadel in Silber ans Revers. Doch nicht nur dafür.

Auch Städtepartnerschaften sind Hein besonders wichtig. Seit 2014 ist er in unserem Verein aktiv, von 2019 bis 2022 als Vorsitzender. Sein besonderes Anliegen ist, die Partnerschaft mit kulturellem Leben zu füllen. Davon kann Hein sogar ein Lied singen – den Städtepartnerschaftsshuffle, seine Komposition für besondere Anlässe aller Partnerschaften der Stadt. Wir sprachen mit ihm über sein Engagement, wie er dazu kam und was ihn antreibt.

Jörg: Hein, was hat Dich zur Mitarbeit in unserer Städtepartnerschaft bewogen?
Hein: Bei meiner Begegnungsreise nach Beit Jala 2014 habe ich an jedem einzelnen Tag dort wahrgenommen, dass die Wirklichkeit des Lebens in der Westbank noch viel rauher ist, als Zeitungsartikel mir vorher suggeriert hatten. Gleich nach dieser Reise bin ich Mitglied im Verein geworden und wurde bald danach kooptiertes Vorstandsmitglied. Ich wollte dazu beitragen, Menschen in meiner Heimat über die menschlich und menschenrechtlich schlimme Situation im sogenannten Heiligen Land quasi aus erster Quelle zu informieren. Dabei habe ich bewusst die palästinensische Sicht eingenommen. Denn die überwiegend israelaffine Sicht der meisten bundesdeutschen Politiker und Medien war damals sehr einseitig.

Wie ging es für Dich dann weiter?
Ich habe seitdem sechs Reisen nach Beit Jala, ins Westjordanland, nach Israel und dort insbesondere in unsere israelische Partnerstadt Ganey Tikva unternommen. Bei einer Reise war ich alleine, bei einer Teil einer kleinen Gruppe, die übrigen Reisen waren Begegnungsreisen, drei davon unter meiner Co-Leitung. Das waren immer rund 20 Personen, denen ich das gleiche Initialerlebnis nahebringen wollte, wie ich es bei meiner ersten Reise selbst erlebt hatte.
Wieder daheim, habe ich eine Vielzahl von Informations- und kulturellen Veranstaltungen (mit-) organisiert, die die Lebenswirklichkeit der Menschen in unserer Partnerstadt einem interessierten Publikum hier in Bergisch Gladbach und darüber hinaus näher brachten.
Eine Städtepartnerschaft ist immer auch Gelegenheit zur persönlichen Begegnung. Welche ist Dir besonders im Bewusstsein geblieben?
Unvergesslich geblieben war mir der Besuch im Dorf Jiftlik, gut 30 Kilometer nördlich von Jericho im Jordantal. Es war tags zuvor von israelischen Bulldozern dem Erdboden gleich gemacht worden (Foto rechts).
Menschen, mit denen wir sprachen, standen unter Schock. Ein vergleichbar existenzvernichtendes Ereignis hatte ich bis dahin noch nicht erlebt. Ich war fassungslos ob der Brutalität des Besatzungsregimes. Dennoch sprachen die Menschen von „Hoffnung“, was ich überhaupt nicht nachvollziehen konnte! Ein vergleichbares Erlebnis hatten wir einige Tage später auf der Farm von Daoud Nassar und dem „Tent of Nations“ – hier hatten eine Woche zuvor noch mehr als 800 Obst- und Olivenbäume gestanden, die von einer militärgeschützten Siedlerbande entwurzelt worden waren. Die Zufahrtstraße hatten sie mit Felsbrocken blockiert. Dennoch war die Losung der Nassars „Wir weigern uns Feinde zu sein“ – ein Zeichen unglaublicher Stärke und Unbeirrtheit!

Der Städtepartnerschaftsverein hat 2018 die Doku „Ein Tag in Beit Jala“ über den Alltag der Menschen dort gedreht. Was würdest Du aktuell einen Tag lang in Beit Jala tun?
Ich würde die Menschen besuchen wollen, denen ich in Beit Jala bei verschiedenen Gelegenheiten schon mal begegnet bin. Zu einigen von ihnen haben wir über die Partnerschaft beständige Kontakte, aber auch andere Menschen, deren Namen ich zum Teil gar nicht mehr unbedingt kenne, die mir aber dennoch eindrücklich in Erinnerung sind – sie alle würde ich gerne wiedersehen und erfahren, wie es ihnen in der aktuellen Situation geht: die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in „unserer“ Abrahams Herberge, zwei ehemalige Praktikanten aus Beit Jala, die wir vor Jahren hier in Bergisch Gladbach zu Gast hatten, die Aktiven in den beiden Theaterinitiativen in der Stadt, den früheren Bürgermeister, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Rathaus, einen früheren Jugend-Bürgermeister (meine allererste Kontaktperson in Beit Jala), den Olivenholzschnitzer, eine bestimmte Familie...

Welche Deiner Beiträge zum Vereinsleben waren in der Rückschau top?
Top, wenn auch ziemlich anstrengend, waren für mich unsere Kulturprogramme, die Deutsch-Palästinensischen Kulturtage 2018, das „Bethlehem reborn“- Programm in Schildgen 2024/ 25 und aktuell unsere Aktivitäten zum 15-jährigen Bestehen des Vereins. Unser Verein wird öffentlich wahrgenommen, wir alle setzen manch wichtigen Impuls in der Stadt und stoßen durchweg auf viel positive Resonanz. Sehr gut entwickelt hat sich auch die Kooperation mit den anderen Partnerschafts-Initiativen und -Vereinen in der Stadt.

… und flop?
Da will mir aber so gar nichts einfallen...

Findest Du Städtepartnerschaften heute noch zeitgemäß?
Der Wert, über den eigenen Tellerrand hinweg zu schauen, Vertreter anderer Länder und Kulturen kennen zu lernen, Menschen mit anderen Sichtweisen auf die Welt und das Leben zu begegnen und mit ihnen in Austausch zu kommen, unterliegt keiner Mode oder Zeitgemäßheit. Die hier gemachten Erfahrungen sind allzeit wertvoll und bereichernd.
Du bist für Dein vielfältiges kulturelles Engagement in Bergisch Gladbach ausgezeichnet worden: Was hat Dich bei alledem angetrieben?
Wie ich in meiner Dankesrede gesagt habe, fühle ich mich eigentlich aus drei schlichten Gründen bewegt und motiviert, meinen ehrenamtlichen Aktivitäten nachzugehen: Zum Ersten begegne ich in diesen Feldern immerzu engagierten, interessanten und liebenswerten Menschen, zum Zweiten freue ich mich, wenn ich etwas bewegen, bewirken und am besten in positiver Weise verändern kann. Drittens machen diese Aktivitäten Sinn. Sie sind sinnvoll für mich, für andere, für meine Stadt.
Fragen: Jörg Bärschneider, Fotos: Gerald Karich, Stadt GL, Heinz-D. Haun
Weiterlesen:
Rede Bürgermeister Marcel Kreutz
Dankesrede Heinz-D. Haun
Noten und Text Partnerschaftsshuffle
Melodie Partnerschaftsschuffle

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