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Städtepartnerschaft Bergisch Gladbach - Beit Jala e.V.
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Newsletter 7/2026
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*** 15 Jahre Städtepartnerschaft GL-Beit Jala 2026 ***
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- Mittwoch, 3. Juni 2026, 19 Uhr
Oscar-gekrönter Dokumentarfilm: „No Other Land“
Krypta der Andreaskirche, Schüllenbusch 2, 51467 GL-Schildgen In Kooperation mit amnesty international Bergisch Gladbach Parken in den umliegenden Straßen. Anmeldung unter info@gl-beitjala.net
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Liebe Mitglieder und Interessierte, liebe Freundinnen und Freunde der Städtepartnerschaft mit Beit Jala,
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jetzt ist es geschafft, die erste Verleihung des Axel-und-Sabine-Becker Friedenspreises. Er ging an Daoud Nassar, vielen von uns persönlich bekannt als charismatischer Kopf des Tent of Nations in Bethlehem. Hoffen wir, dass die Absicht des Preises in Erfüllung geht: Daoud und den Menschen vor Ort unsere Aufmerksamkeit für ihren friedlichen Kampf um Würde und Recht zu signalisieren und ihnen den Rücken zu stärken. Bitte lesen Sie selbst.
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Jörg Bärschneider Für den Vorstand des Städtepartnerschaftsvereins
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Städtepartnerschaftsverein verleiht Friedenspreis an Daoud Nassar vom Tent of Nations in Bethlehem
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„Immer eine positive Vision und die Dinge gestalten“
Die gute Nachricht zuerst: Daoud Nassar wurde jetzt als erster Preisträger mit dem Axel-und Sabine-Becker-Friedenspreis ausgezeichnet. Die traurige Nachricht: Daoud konnte den Preis nicht persönlich entgegennehmen. Aus Angst vor vermehrt drohenden Siedlerangriffen auf das Tent of Nations (Zelt der Völker) sagte er seine Deutschlandreise in letzter Minute ab. Und dennoch, Aufgeben war für Daoud noch nie eine Option.
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Über mehr als 3.000 km herangezoomt Mittels exzellenter Zoom-Übertragung im Katholischen Bildungswerk ging die Veranstaltung live über die Bühne. Über mehr als 3.000 Kilometer hinweg waren sich Bergisch Gladbach und Bethlehem zum Anfassen nah, die Gäste im vollbesetzten Saal in der Laurentiusstraße und Daoud in seinem Zuhause im Schatten der Geburtskirche.
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Erster Besuch und seine Folgen Hausherr Elmar Funken setzte denn auch gleich den Ton, als er in der Begrüßung seine Studienreise 2017 durch das sogenannte Heilige Land ansprach: „Unser israelischer Reiseleiter führte uns zum Tent of Nations, von dem ich bis dahin noch nie etwas gehört hatte.“ Aus dem schwer beeindruckenden Besuch der Farm wurde im folgenden Jahr eine Einladung an Daoud zum Vortrag im Bildungswerk. „Die außergewöhnliche Persönlichkeit von Daoud, die große Resonanz beim Publikum, das habe ich bis heute nicht vergessen“, erinnerte sich Funken. Unter den Gästen jetzt meldeten sich auch zwei eigens angereiste Unterstützer Daouds und hierzulande zu Wort, Marius Stark und Gregor Schröder. Beide haben die Farm schon häufig mit Reisegruppen besucht und engagieren sich im „Freundeskreis Tent of Nations“.*
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Fast 40 Jahre friedlicher Widerstand Daoud legte nach dieser Eröffnung gleich mit seinem Bericht zur aktuellen Lage des Tent of Nations los, so wie ursprünglich geplant. Die Vorgeschichte ist bekannt – der fast 40 Jahre andauernde friedliche Kampf der Nassars gegen die Enteignung ihres Weinbergs durch die israelische Militärverwaltung. Seit Jahrzehnten kämpft Daoud vor israelischen Gerichten um die Anerkennung der noch in osmanischer Zeit verbrieften Eigentumsdokumente der Familie. Immer neue Gutachten und Vertagungen verhindern jedoch ein rechtsstaatliches Urteil. 300.000 Dollar für Gebühren und Anwaltshonorare hat das Verfahren schon verschlungen. Das Anwesen ist aber nicht einfach ein Agrarbetrieb. Mit Sommercamps für Kinder und Jugendliche und Workshops zur Friedensarbeit fungiert es zugleich als internationales Begegnungsprojekt.
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Verschärfte Lage Gewaltsame Siedlerübergriffe, Zerstörung von Olivenhainen und riesige Geröllbrocken auf den Zufahrtswegen zur Farm gehören seit vielen Jahren zum Alltag der Nassars. Seit dem 7. Oktober 2023 aber hat sich die Situation noch einmal deutlich verschärft, so wie überall im Westjordanland. Zu dem einschnürenden Ring von fünf illegalen israelischen Siedlungen um die Farm ist ein Außenposten hinzugekommen: Mit bereits 15 Häusern und einer neu errichteten Thoraschule grenzt er direkt an den Zaun des Anwesens.
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Bewaffnete Siedler, grelle Scheinwerfer Immer wieder kommt es zu Zwischenfällen. Bewaffnete Siedler zerschneiden den Zaun, dringen auf das Farmland vor, bedrohen Helferinnen und Helfer. Angst und Unsicherheit erschweren die Bewirtschaftung des Betriebs. Nächtliches Scheinwerferlicht von einem Wachturm soll den Schrecken allgegenwärtiger Überwachung verbreiten. Hinzu kommen weitere Beeinträchtigungen der Verkehrsanbindung. Zwei neue Straßen mitten durch das Farmland sind sogar laut israelischem Gerichtsbeschluss illegal und müssen entfernt werden, was jedoch von den Militärbehörden vor Ort ignoriert wird. Der direkte Zuweg über die Verbindungsstraße Jerusalem-Hebron wurde gesperrt und erfordert einen stundenlangen Umweg über das Hinterland. Hinzu kommen willkürliche mobile Straßensperren und „flying checkpoints“ (Drohnen). Diese Hindernisse erschweren den Verkauf der Produkte auf den Märkten in Bethlehem erheblich und bedrohen die wirtschaftliche Existenz der Farm.
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Unerschütterlicher Glaube an die Gerechtigkeit Doch die Nassars geben nicht auf. Zu stark ist ihr Glauben an den Sieg der Gerechtigkeit, zu groß die Hoffnung auf Unterstützung durch internationale Besucher. Regelmäßig kommen Freiwillige aller Herren Länder und allen Alters zur Feldarbeit auf den Weinberg. Darunter auch schon mal Vertreter israelischer Friedensgruppen, die auf diese Weise ihre Solidarität ausdrücken. Diplomaten und Politiker informieren sich vor Ort und zeigen Präsenz.
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Kreativ gegen Schikanen Höchst beeindruckend ist die enorme Kreativität, mit die Nassars und ihre Mitstreiter alle Verbote und Schikanen durch Maßnahmen wirtschaftlicher Autonomie kontern: Solarenergie, Regenwasser-Zisternen und Brauchwasseraufbereitung gegen das Verbot einer modernen Strom- und Wasserversorgung, unterirdisch ausgehobene Räumlichkeiten umgehen das oberirdische Bauverbot.
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Dann äußerte Daoud einen Gedanken, der sich durchaus auch auf unsere Lebensumstände hier in Deutschland beziehen lässt: „Es ist wichtig, sich nicht den negativen Gedanken zu ergeben. Man muss immer eine positive Vision haben, damit man dran bleibt und spürt, dass man fähig ist, die Dinge zu gestalten.“ Konkret schlägt sich das in der Planung eines Umweltzentrums mit den Schwerpunkten Landwirtschaft, alternative Energien, Recycling und Community Building nieder.
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Vier Prinzipien gewaltlosen Widerstands Im Saal herrschte atemlose Stille. Die Gäste waren beeindruckt von der fast übermenschlichen inneren Kraft, mit der Daoud es schafft, trotz Bedrohung, Unrecht und Gewalt sachlich zu bleiben, ohne Anklage, Verbitterung oder Resignation. Ganz nach dem berühmten Motto, das am Eingang der Farm auf einem großen Findling geschrieben steht: „Wir weigern uns, Feinde zu sein.“ Daoud, der christliche Palästinenser, nannte vier Prinzipien der Friedfertigkeit und Nächstenliebe, die trotz allem Leid sein Denken und Handeln bestimmen:
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„Wir weigern uns, Opfer zu sein. Wir weigern uns, zu hassen. Wir leben unseren Glauben. Wir glauben an Gerechtigkeit.“
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Ein Besucher der Veranstaltung schlug vor, angesichts dieses weltweit beispielgebenden gewaltlosen Widerstands Daoud für den Friedensnobelpreis vorzuschlagen.
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Und jetzt zur Preisverleihung Und tatsächlich, Daoud hat schon viele Preise bekommen. Hier reiht sich der Axel-und-Sabine-Becker-Friedenspreis ein: „Die bundesweit erste Auszeichnung für bürgerschaftliches Engagement innerhalb einer Städtepartnerschaft“, hob Moderator Jörg Bärschneider hervor. „Wir drücken dir unseren tiefen Respekt für deinen nun fast ein halbes Menschenleben währenden gewaltlosen Kampf gegen Unrecht und Zerstörung aus!“, rief er Daoud zu. Der Preis wolle die Aufmerksamkeit möglichst vieler Menschen auf das Begegnungswerk und das Recht von Palästinenserinnen und Palästinensern auf ein Leben in Frieden und Selbstbestimmung lenken. In der verlesenen Verleihungsurkunde heißt es:
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Daoud Nassar vom Tent of Nations erhält den Friedenspreis 2026 der Städtepartnerschaft Bergisch Gladbach-Beit-Jala e.V.. Sein christlich fundierter Humanismus steht für den friedlichen Widerstand gegen Rechtlosigkeit und Gewalt, für ein einträgliches Miteinander von Menschen und Völkern. Daoud Nassars gelebte Devise „Wir weigern uns, Feinde zu sein!“ gibt ein international beachtetes Beispiel für die revolutionäre Kraft der Hoffnung über Gräben hinweg.
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Vorstandsmitglieder mit Urkunde für Daoud (v.l.): Gerald Karich, Jörg Bärschneider, Daniela Reuscher, Heinz-D. Haun
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Brücke und Olivenbaum Die Preisskulptur zeigt eine stilisierte Brücke, aus der ein Olivenbaum wächst. Die Brücke ist das Symbol für Begegnung und Toleranz; der Olivenbaum, den Menschen in Palästina heilig, steht für das friedliche Miteinander. „Beides zusammen, die Idee von Brücke und Olivenbaum, leitet das Lebenswerk von Daoud. Dahinter steht auch unsere Städtepartnerschaft“, fasste Bärschneider die Präsentation zusammen. Die zugehörige Urkunde, das Preisgeld von 1.000 Euro und ein hoher Spendenbetrag gehen in diesen Tagen an das Tent of Nations.
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Möglichkeiten der Unterstützung Daoud dankte allen Anwesenden sehr herzlich: „Das ist eine große Ehre für uns. Der Preis ermutigt uns, unseren Weg weiterzugehen.“ Dabei unterstrich er, wie wichtig persönliche Unterstützung ist. Ganz handfest durch das Anpacken vor Ort – Freiwillige für ein paar Tage, Wochen oder länger sind hoch willkommen. Wertvoll ist auch internationale Aufmerksamkeit, etwa durch Besuche von Reisenden, Politikern und Journalisten sowie durch Petitionen. Das schütze vor Angriffen.
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Axel Becker: „Hoffnung, die tätig wird“ Abschließend sprach Axel Becker, Namensgeber des Preises und Ehrenvorsitzender des Vereins, ein eindringliches Grußwort. „Wir wünschen uns, dass dieser Preis eine Dynamik entfaltet, eine Dynamik des Glaubens, die sich nicht der Resignation ergibt. Mit Resignation kann man nicht leben, sondern nur mit der Hoffnung, die tätig wird.“
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So neigte sich ein bewegender Abend dem Ende zu. „Lieber Daoud, wir wünschen Dir viel Kraft, Unterstützung und Glück“, verabschiedeten sich die Gäste von Daoud und winkten ihm zu. Der winkte zurück: „Auf ein Wiedersehen in Bergisch Gladbach im September dieses Jahres. Ich freue mich schon auf meine nächste Deutschlandreise!“
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