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Städtepartnerschaft
Bergisch Gladbach - Beit Jala e.V.

Newsletter 2/2026

Terminticker
  • Sonntag, 01. März 2026, 18 Uhr
    Lesung
    , Apeirogon, THEAS-Theater (Näheres s.u.)
  • Donnerstag, 19. März 2026, 19:30 Uhr
    Vortrag
    der Theologin Ulrike Kurbjeweit-Merizian mit Diskussion zum Thema Christsein in Palästina - Aus den Erfahrungen von Munther Isaac, Pfarrer in Bethlehem.
    Kath. Bildungsforum, Laurentiusstr. 4-12, 51465 GL, Eintritt frei; ohne Anmeldung

Beginn einer langen Freundschaft: Im Jahr 2010 tauschten Axel Becker, Lutz Urbach
und Bürgermeister Raji Zeidan (r.) in Beit Jala die Absichtserklärung zur Partnerschaft beider Kommunen aus (Foto). Wenig später, am 12. März 2011, wurde diese Verbindung in Beit Jala formell besiegelt. Die ersten Gespräche und Reisekontakte zwischen beiden Städten reichen allerdings bis 2003 zurück. (Foto: StäPa)
Liebe Mitglieder und Interessierte,
liebe Freundinnen und Freunde der Städtepartnerschaft mit Beit Jala,
der Nubbel ist verbrannt, das Karnevalskostüm zurück im Schrank, jetzt geht’s mit Riesenschritten in Richtung Frühjahr. Und damit ins Jubiläum des 15. Gründungsjahrs unserer Städtepartnerschaft mit Beit Jala. Am 9. Januar 2011 wurde die entsprechende Urkunde von den Bürgermeistern Lutz Urbach und Radji Zeidan im Rathaus Bensberg unterzeichnet, beim Gegenbesuch am 12. März fand die gleiche Zeremonie im neuen Bürgerhaus in Beit Jala statt. Und, nicht zu vergessen, zwei Jahre später kam es mit der Gründung der Städtepartnerschaft zwischen Bergisch Gladbach und dem israelischen Ganey Tikva zur – nach Köln-Bethlehem-Tel Aviv – bundesweit zweiten dreiseitigen Kommunalverbindung.

Großer Optimismus beflügelte damals dieses bürgerschaftliche Ansinnen, obwohl oder gerade weil im politischen Hintergrund immer wieder Gewalt aufflammte. Die zweite Intifada lag kaum ein Jahrzehnt zurück, Besatzung, Terror und Trennmauer gaben der Feindschaft zwischen Israelis und Palästinensern immer neue Nahrung. Angesichts des Unvermögens der großen Politik, einen gerechten Frieden zu schaffen, mehrten sich die Stimmen jener, die überzeugt waren, dass der Frieden fortan von unten, durch ein feines Netz bürgerschaftlicher Kontakte, begründet und wie ein zartes Pflänzchen aufgepeppelt werden müsse.

Damit war unserer Städtepartnerschaft ein weites Betätigungsfeld vorgeben. Regelmäßige Begegnungsreisen sind das Herzstück der Beziehungen; Vorträge, Ausstellungen und Konzerte bereichern unser Verständnis von den Lebensbedingungen in Beit Jala. Höhepunkte unserer Vereinsaktivitäten waren die Deutsch-Palästinensischen Kulturtage, die Premiere des Dokumentarfilms „Ein Tag in Beit Jala“ (beide 2018) und die Ausstellung zur Geburtskirche in Bethlehem (2024/25).

Jetzt begehen wir das 15. Jubiläum der Partnerschaft. Keine große Zahl, aber eine bedeutende. Zur rauschenden Feier angesichts der fast täglich neuen Horrorbotschaften aus dem eher unheiligen Land gibt es keinen Anlass. Dennoch möchten wir mit unserem Jubiläumsprogramm dazu beitragen, den Menschen in Beit Jala Zeichen der Anteilnahme und Hilfe zu geben. Darüber hinaus wollen wir immer wieder miteinander ins Gespräch kommen und unseren Blick für die Lage im Westjordanland schärfen.

Zahlreiche Veranstaltungen sind in diesem Jahr geplant – darunter die Stiftung eines Friedenspreises der Städtepartnerschaft GL-BJ sowie der Besuch von Daoud Nassar vom Tent of Nations aus Bethlehem hier an der Strunde. Los geht‘s erstmal mit einer Lesung im THEAS-Theater. Die Vorgeschichte dazu erzählt uns Heinz-D. Haun.
Zufällige Bekanntschaft mit dem Parents Circle: Wie alles begann
Als ich, Heinz-D. Haun, im Jahr 2016 anlässlich einer Begegnungsreise in Beit Jala weilte, steckte mir jemand einen Prospekt zu und sagte: „Das war eine total spannende Ausstellung.“ Es war der Prospekt zu einer Ausstellung daheim im Willy Brandt-Haus in Berlin, die dort einige Monate zuvor gelaufen war. Titel: „Die Gegenwart der Abwesenheit“.

In der Tat, der Prospekt ließ erkennen: Das muss eine spannende Ausstellung gewesen sein! Es war dies eine Dokumentation des Parents Circle – sie dokumentierte, wie israelische und palästinensische Hinterbliebene von Opfern des nahöstlichen Dauerkonflikts sich mit dem Verlust eines nahen Angehörigen auseinandersetzen und Wege der gemeinsamen Trauerarbeit unternehmen. Gesine Schwan und Sigmar Gabriel hatten die Ausstellung damals prominent unterstützt.
In der Tat, der Prospekt ließ erkennen: Das muss eine spannende Ausstellung gewesen sein! Es war dies eine Dokumentation des Parents Circle – sie dokumentierte, wie israelische und palästinensische Hinterbliebene von Opfern des nahöstlichen Dauerkonflikts sich mit dem Verlust eines nahen Angehörigen auseinandersetzen und Wege der gemeinsamen Trauerarbeit unternehmen. Gesine Schwan und Sigmar Gabriel hatten die Ausstellung damals prominent unterstützt.
In dem Prospekt fand ich auch die Kontaktadresse des Parents Circle auf palästinensischer Seite – und siehe da: Das Büro befindet sich gerade zwei-, dreihundert Meter von unserem Gästehaus, der Abrahams Herberge in Beit Jala, entfernt. Ich nahm sogleich Kontakt zu der Organisation auf, und zwei Jahre später saßen zwei sympathische Herren eines Abends während einer weiteren Begegnungsreise in einem Clubraum der Herberge und erzählten uns ihre Lebensgeschichten. Es waren Rami Elhanan (Foto, l.) und Bassam Aramin, zwei inzwischen in aller Welt bekannte, engagierte Vertreter des Parents Circle. Elhanan stellte zunächst sich, dann Aramin vor: „This man is my enemy…“, dann grinste er und sagte: “… he’s my best friend!”

Rami und Bassam leben auf unterschiedlichen Seiten der Mauer, die sich durch das sog. Heilige Land zieht. Und doch eint sie die Trauer.

Der Israeli Rami Elhanan und der Palästinenser Bassam Aramin haben jeder eine Tochter im Nahost-Konflikt verloren. Ramis Tochter wurde 1997 im Alter von dreizehn Jahren von einem palästinensischen Selbstmordbomber vor einem Jerusalemer Buchladen getötet. Bassams Tochter starb 2007 zehnjährig mit einer Zuckerkette in ihrer Tasche vor ihrer Schule durch die Kugel eines israelischen Grenzpolizisten. Der Schmerz über den Verlust ihrer Töchter bringt die beiden Männer zusammen in gemeinsame Trauer: „Wir begegneten uns als Feinde, die miteinander reden wollten.“

Das bewegende Schicksal in Buchform
Der irische Autor Colum McCann hat über die beiden Männer einen bewegenden Roman geschrieben, über den Tod ihrer Töchter und über ihr ungewöhnliches Miteinander. Dieses Buch wurde zu einem flammenden Aufruf zur Aussöhnung im Nahen Osten. Es trägt den Titel „Apeirogon“. Der Titel deutet darauf hin, dass man es hier mit einem Phänomen zu tun hat, das nahezu unzählig viele Seiten und Aspekte zeigt.

Claudia Timpner, Intendantin des THEAS-Theaters, und ich lesen Auszüge aus dem Buch. Der Musiker Matthias Kurth spielt Kompositionen und Improvisationen auf der arabischen Laute.

Die Veranstaltung ist ein Gemeinschaftsprojekt des Städtepartnerschaftsverein Bergisch Gladbach-Beit Jala mit dem THEAS-Theater und dem Katholischen Bildungswerk Rhein-Berg und Bestandteil des Kulturprogramms zum 15jährigen Bestehen des Partnerschaftsvereins.

APEIROGON – Lesung aus dem Buch von Colum McCann
Sonntag, 1. März 2026, 18 Uhr
THEAS-Theater, Jakobstraße 103, 51465 Bergisch Gladbach

Eintritt frei, Spenden erwünscht. Anmeldung bitte unter info@gl-beitjala.net
Wir freuen uns, Euch wiederzusehen!

Herzliche Grüße
Jörg Bärschneider
Für den Vorstand des Städtepartnerschaftsvereins