Reiseberichte

Fahrt von Beton- zu Felsenwüsten (5)

07.03.2011

Von Doro Dietsch / Werner Schmitz-Dietsch
http://in-gl.de/2011/03/07/fahrt-von-beton-zu-felsenwuesten-beit-jala-5/

Heute führten uns zwei Israelis: ein arabischer und ein jüdischer. Rotem Mor, 29, hatte nach ein paar Jahren Militärdienst genug und weigerte sich, weiter der Armee zu dienen. Für diese Entscheidung zahlte er mit einigen Jahren Gefängnis. Heute setzt er sich für die Entmilitarisierung ein.
Sein Freund Tarik zeigte uns Häuser von Palästinensern, die von Israelis kurzerhand konfisziert wurden. Muss merkwürdig sein, das Haus eines anderen zu bewohnen und die empörten Nachbarn ringsum zu ignorieren. Diese Siedler leben halt dort aus ideologischen Gründen, um das Gebiet zurück zu erobern, und nicht, weil es schön oder preiswert ist… Im Stadtteil Silwan führten sie uns in ein Protestzelt, hier kämpfen die Bewohner gegen den Abriss ihrer 80 Häuser.

Die Israelis möchten hier einen “Garten von David” errichten, unterhalb eines Museums, mitten im Palästinensergebiet. Für den Abriss ihrer Häuser müssen die Besitzer sogar noch selbst zahlen, denn angeblich haben sie in den 60er Jahren ohne Baugenehmigung gebaut. Die Anordnung, ihre Häuser zu räumen, haben sie schon bekommen, erste Gebäude wurden zerstört und die Straße umbenannt. So werden im Zentrum von Jerusalem Fakten geschaffen.

Rotem, wiewohl selbst jüdischer Israeli, meinte, jeder Konflikt könne Menschen weiterbringen, wenn keine Gewalt gebraucht werde. Israelis und Palästinenser seien gar nicht so unterschiedlich, wie viele meinten: “Wenn sich beide als gleichberechtigt erachten, kann man eine gemeinsame Zukunft planen, aber ohne gegenseitigen Respekt für den anderen gibt es keine Lösung.”

Von der Betonwüste ging es anschließend in die Steinwüste. Aus Einsiedlerhöhlen in der Nähe des Gidron-Flusses entstand im Laufe der Zeit das Kloster Mar Saba in der Wüste.

Absolute Ruhe, ein sanftes Licht und das verspielte Gebäude mit Türmchen, das sich an einen steilen Felsen schmiegt, lohnen die Wanderung dorthin. Mit dem Bus kann man nicht bis zum Kloster fahren, die Straße ist zu eng und kurvenreich. Man sieht Beduinenbehausungen, Dromedarherden und leider auch wilde Müllkippen auf den steinigen Hügeln, die mitunter steil bergab fallen. Hier kann man sich richtig vorstellen, wie es zu Jesu Zeiten wohl überall in Palästina ausgesehen haben mag: als es nur Steinwüsten und noch keine Betonwüsten gab.