Reiseberichte

„Wir wollen für unsere Völker und Städte arbeiten” (10)

12.03.2011

Von Doro Dietsch / Werner Schmitz-Dietsch
http://in-gl.de/2011/03/12/fuer-unsere-voelker-und-staedte-arbeiten/

Nach langen Vorbereitungen ist es nun soweit: mit der Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde vor Ort sind Bergisch Gladbach und Beit Jala jetzt auch ganz offiziell Partnerstädte.

Bei der Zeremonie wurde zunächst die Deutsche Nationalhymne vom Band gespielt, wir Gladbacher sangen natürlich mit. Schüler der Schule Talita Kumi, an der Deutsch als Fremdsprache gelehrt wird, sangen arabische Lieder.

Nach einem Grußwort auf arabisch, hielt Bergisch Gladbachs Bürgermeister Lutz Urbach auf englisch eine ausgezeichnete Rede. Er sagte unter anderem, unser Volk habe große Schuld auf sich geladen gegenüber dem Volk Israel, daher komme unsere Sympathie für Israel. Wir hätten aber auch großes Verständnis für das Palästinensische Volk, denn ein Teil von uns habe in der DDR über Jahrzehnte hinweg in Unfreiheit gelebt. Die Mauer, die in Deutschland für Unfrieden und Unfreiheit gesorgt habe, sei friedlich überwunden worden und auch die Mauer zwischen Israel und Palästina sei nicht unüberwindlich, sagte der Bürgermeister.

Urbach überreichte Briefe von Institutionen in Bergisch Gladbach (unter anderem der Krankenhäuser und der Feuerwehr) für die entsprechenden Institutionen in Beit Jala.

Anschließend erwiederte Beit Jalas Bürgermeister Raji Zeidan:

“Wir alle werden im Rahmen dieser Vereinbarung zu Gunsten unserer Völker und Städte arbeiten”.

Auch Dr. Salam Fayyad, der Ministerpräsident Palästinas, war zur Unterzeichnung nach Beit Jala gekommen. Er betonte, er freue sich über die Partnerschaft. Er erwähnte die Katastrophe in Japan und drückte sein Bedauern für die Opfer des Tsunamis aus. Zur politischen Situation sagte er, er hoffe, dass es in Palästina bis Ende des Jahres zu einem Durchbruch komme – ohne Gewalt.

Allerdings wurde die Unterzeichnung der Städtepartnerschaft durch ein Attentat in der Westbank überschattet. Eine jüdische Siedlerfamilie (Eltern und drei Kinder zwischen vier Monaten und elf Jahren) wurden getötet. Fayyad distanzierte sich deutlich davon:

“Wir verurteilen das. Gewalt darf nicht mit Gewalt beantwortet werden”.

Anschließend gab es eine Feier mit den typischen arabischen Speisen Falafel (gefüllte Teigtaschen) und Humos (pürierte Kichererbsen).

Dani Karavan, der weltberühmte isrealische Künstler (er hat unter anderem den Heinrich-Böll-Platz in Köln gestaltet und vor dem Landtag die große runde Skulptur aus Eisen gemacht) hatte eigens eine Sondergenehmigung bekommen, um zur Unterzeichnung des Festaktes nach biet Jala einreisen zu dürfen.

Wir waren begeistert, ihn (dank der Vermittlung von Peter Busmann) in der Abrahamsherberge zu treffen. Allerdings vertiefte er sich dann in ein Gespräch mit dem palästinensischen Architekten der Herberge, Bazem Khoury, und kam dann nicht mit zur Bürgerhalle, wo das Fest stattfand.

Für unsere Reisegruppe ging am Nachmittag die Reise weiter nach Nazareth – wir brauchten zwei Stunden mit dem Bus. Die schwangere Maria wird damals deutlich länger gebraucht haben.